Osteophatie an Hunden – alles was Du wissen solltest!

Bewerte diesen Artikel

Nicht nur in der Behandlung von uns Menschen suchen wir nach alternativen Methoden, die ohne Chemie auskommen und die Schulmedizin unterstützen und erweitern. Sie erhält auch die Osteophatie an Hunden immer mehr Einzug in unseren Köpfen. In unserem heutigen Beitrag erfährst Du, was Osteopathie genau bedeutet und wie sie Deinem Hund zu Gute kommen kann.

Was ist Osteopathie

Die Osteopathie gehört zur Gruppe der Alternativmedizin. Doch fangen wir ganz am Anfang an – das Wort “Osteopathie” ist zusammengesetzt aus “Osteo(n)” was soviel heißt wie “Knochen” und “Pathie” (von “pathos”) das “Leiden”. Daraus kannst Du bereits gut ableiten, um was es sich hier im Grunde handelt. Die Osteopathie beschäftigt sich demnach hauptsächlich mit dem Bewegungsapparat.

Allerdings geht es meist noch sehr viel tiefer, da sich die Hundeosteopathie ganzheitlich mit dem Organismus des Hundes beschäftigt. Sie ist eine alternative und sanfte Methode, um unterschiedliche Leiden Deines Hundes auf einfühlsame Art zu verbessern.

Die Geschichte der Osteopathie

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte der amerikanische Arzt Dr. Andrew Taylor Still ein gänzlich neues Verständnis für Krankheit und Gesundheit und betrachtete den Organismus als eine Einheit aus Geist, Seele und Körper. Nachdem er intensive Anatomiestudien hinter sich brachte, war Dr. Still der Auffassung, dass der Mensch alle Möglichkeiten der Selbstheilung bereits in sich trägt.

Eine neue Herangehensweise an die Behandlung des Menschen war geboren – die Osteopathie. 1874 stellte er diese der Öffentlichkeit vor und gründete sogleich 1892 in den USA die allererste Schule für Osteopathie.
Nachdem diese sich großen Zuspruchs erfreute, wurde die Osteopathie folglich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in einigen amerikanischen Bundesstaaten rechtlich anerkannt. Zwar gab es massive Bestrebungen sämtlicher Ärzteverbände darüber, die Osteopathie einzuschränken, dennnoch entstanden immer mehr Colleges für Osteopathie. Erst in den 60er Jahren legte sich dieser Streit. Seitdem gilt die Osteopathie, zumindest in den USA, als gänzlich anerkannt und bietet eine vollakademische Ausbildung.

Dr. LittleJohn, ein Schüler von Dr. Still, brachte die Osteopathie schließlich nach Europa und gründete 1917 die noch heute existente British School of Osteopathy.

Osteopathie in Deutschland

Die Osteopathie wird in Deutschland bereits seit den 50er Jahren von Ärzten und Heilpraktikern praktiziert, die sie ursprünglich in Amerika und England erlernten. Ende der 80er Jahre verbreitete sich die Osteopathie schließlich in Frankreich und Belgien, woraufhin auch unzählige deutsche Niederlassungen entstanden. Mittlerweile gibt es bei uns mehr als zwanzig Schulen an 70 unterschiedlichen Standorten, die meist berufliche Weiterbildungen anbieten.

Die vier Grundprinzipien der Osteopathie

1.) Der Hund ist eine Einheit – sämtliche Teile seines Körpers, seiner Seele und seines Geistes sind stets miteinander verbunden und stehen ebenso in einer Wechselbeziehung zueinander.

2.) Funktion und Struktur des Organismus des Hundes beeinflussen sich gegenseitig. Das heißt, dass etwa Fehlhaltungen allmählich auch zu anatomischen Veränderungen im Körper Deines Hundes führen können. Genauso können Narben oder Verletzungen die Funktion von Gewebe Deines Hundes einschränken.

*3.) Der Körper Deines Hundes kann sich gänzlich selbst regulieren und heilen. Dies geschieht durch die körpereigenen Selbstheilungskräfte. Im Idealfall bedeutet das, dass alle Teile des Organismus Deines Hundes harmonisch zusammenarbeiten – dabei wehrt das Immunsystem Deines Hundes Krankheiten ab, Verletzungen heilen selbstständig und irreparable Schäden werden einfach kompensiert. Dieses Gleichgewicht sämtlicher Vorgänge im Organismus Deines Hundes nennt man Homöostase. Ist dieses Gleichgewicht gestört, kann es leicht zu Krankheiten kommen .

4.) Das vierte Grundprinzip der Osteopathie stützt auf einer gesunden Durchblutung des gesamten Organismus, um die Funktion des Körpers aufrechtzuerhalten. Ist die Durchblutung gestört sind Folgeschäden möglich.

Bei einer Behandlung durch einen Hundeosteopathen steht demnach nicht die Krankheit im Mittelpunkt, sondern der Hund selbst.

Der Osteopath hat dabei den gesamten Organismus Deines Hundes im Blick und nutzt und mobilisiert die Selbstheilungskräfte des Körpers Deines Hundes und verbessert durch die manuelle Behandlung und das Lösen von Blockaden die Körperstruktur in seiner Funktion.

Hund genießt Behandlung
© depositphotos/ RasulovS

Was sind Blockaden?

Blockaden sind keine eingeklemmten Nerven oder physische Fehlstellungen. Vielmehr handelt es sich bei Blockaden um einfachere Spannungen in Knochen, dem Bindegewebe oder in den Muskeln Deines Hundes, die wiederum andere Organe beeinträchtigen können.

Ein Osteopath erkennt im besten Fall solche Spannungen und kann mittels manueller Therapie Störsignale im Körper Deines Hundes auflösen und die innere Balance wieder herstellen.

Warum sollten Blockaden gelöst werden?

Durch Blockaden im Körper Deines Hundes kommt es häufig zu Fehlbelastungen der betroffenen Gelenke oder Verspannungen des Gewebes mit verminderter Blutzufuhr. Somit leidet das betroffene Gebiet unter einer behinderten Mikrozirkulation woraufhin auch die Immunabwehr gestört ist.
Sind diese Auswirkungen meist noch lokal begrenzt, entfalten sie sich mit der Zeit auf andere entferntere Körperstrukturen und führen so zu funktionellen und strukturellen Veränderungen im gesamten Organismus. Dadurch können einzelne Gelenke sowie die Wirbelsäule ihre physiologische Mobilität verlieren.
Die Folge sind unelastische und steife Bewegungen, Schmerzen oder Verspannungen, die zu einer beeinträchtigten Leistungsfähigkeit führen. Dies wiederum führt zu einer deutlich verstärkten mechanischen Belastung anderer Muskeln und Strukturen des Organismus Deines Hundes. Hierdurch entsteht eine Art Teufelskreis, infolgedessen es zu weiteren Blockaden kommen kann.

Wann kann Osteopathie Deinem Hund helfen?

In vielerlei Situation kann Dir die Osteopathie helfen, die Gesundheit Deines Hundes zu verbessern. Die meisten Halter gehen aber erst dann zum Osteopathen, wenn ein spezifisches Problem bei ihrem Hund aufgetreten ist. Denn auch in Akutsituationen kann der Osteopath Deinem Hund helfen, Beschwerden schnell zu verbessern und Schmerzzustände deutlich zu verringern.

Mögliche Symptome die zu einer Behandlung beim Osteopathen führen:

– Lahmheit

– Probleme beim Aufstehen

– Schlechte Kopfhaltung

– Rückenschmerzen

– Verstauchung oder andere Verletzungen des Bewegungsapparates

– Gelenkprobleme

– Plötzliche Verhaltensveränderungen bei deinem Hund, wie beispielsweise Aggressionen

Vorbeugende Osteophathie

Doch auch wenn keine Akutsituation mit Schmerzen oder Verhaltensveränderung bei Deinem Hund auftritt, kann die Osteopathie an Hunden helfen, gewissen Alterserkrankungen vorzubeugen.
Das kommt vor allem dann in Frage, wenn Dein Hund beispielsweise:

– Rettungshund, Diensthund oder allgemein mit besonderem Leistungssport in Kontakt steht

– Auch wenn Du Deinen Hund per Agility beschäftigst oder gar Frisbee Sportler oder Balljunkie bist dann ist Osteopathie auch eine empfehlenswerte Therapieform für Deinen Hund, da durch die Fliehkräfte der Bewegungsapparat Deines Hundes stark beansprucht wird

– Ist ein neuer Welpe bei Dir eingezogen? Ein Osteopath kann die körperliche Reifung Deines Junghundes direkt begleiten um eventuelle Probleme gleich im Ansatz zu beheben

– Denkbar ist auch die Begleitung durch einen Osteopathen nach Operationen ( auch kleinere Eingriffe), nach Stürzen oder sonstigen stumpfen Traumata

– Eine starke Stütze bietet die osteopathische Behandlung auch bei sämtlichen chronischen Erkrankungen, wie beispielsweise der Hüftgelenksdysplasie oder bei Arthrosen. Hier hat sich zusätzlich zur Osteopathie auch eine physiotherapeutische Behandlung mittels Akupunktur bewährt

– Allgemein kann die Osteopathie auch älteren Hunden helfen, indem sie gewisse körperliche Alterungsprozesse und ihre Begleiterscheinungen meindert

Hund läuft aus Agilitytunnel
@ depositphotos.com /herreid

Die 3 Behandlungsarten der Osteopathie

1. Parietale Behandlung

Das Parietale System besteht aus dem kompletten Bewegungsapparat Deines Hundes mitsamt Knochen, Muskeln, Sehnen, Gelenken, Nerven und Bändern. Das Ziel einer parietalen Behandlung besteht darin, die normale Beweglichkeit aller Gelenke wiederherzustellen und Spannungen im faszialen und muskulären Bereich zu normalisieren. Außerdem wird die Durchblutung deutlich verbessert.

2. Viszerale Behandlung

Im viszeralen System wird das Hauptaugenmerk auf die inneren Organe Deines Hundes gelegt. Bei der viszeralen Behandlung wird die Mobilität (Beweglichkeit) und die Motilität (Eigenbewegung) der Organe Deines Hundes untereinander behandelt.

Das parietale und das viszerale System sind eng verbunden – das liegt daran, dass die inneren Organe Deines Hundes durch Blutgefäße versorgt und mit Nerven verbunden sind. So ist es beispielsweise möglich, dass äußere Verspannungen im Bewegungsapparat Deines Hundes auch zu inneren Verspannungen der Organe führen können.

3. Craniosacrale Behandlung

Das craniosacrale System beschäftigt sich mit dem Kreuzbein und dem Schädel Deines Hundes. Zwar liegen gerade diese beiden Körperteile sehr weit auseinander, doch stehen sie durch den Wirbelkanal samt Wirbel- und Rückenmarkshäute in direkter Verbindung zueinander.

Alle drei Systeme sind über ein sogenanntes Fasziensystem miteinander verbunden. Dadurch kann es bei Problem mit einem der Systeme unter Umständen auch sehr schnell zu Problemen oder Dysbalancen in den anderen Systemen kommen.

Was sind Faszien?

Bei den Faszien handelt es sich um ein reißfestes, netzartiges und elastisches Bindegewebe. Egal wo im Körper Deines Hundes, Faszien befinden sich nahezu überall und umgeben die einzelnen Muskelgruppen, Muskelstränge sowie Muskelfasern aber auch Organe, Knochen und Sehnen. Gleichzeitig verbinden die Faszien sämtliche Bestandteile des Organismus Deines Hundes miteinander.

Im Körper Deines Hundes haben die Faszien die Aufgabe, die unterschiedlichen Bereiche zu umhüllen und ihnen dadurch Stabilität zu verleihen. Muskelfaszien haben darüber hinaus weitere Aufgaben:

– die Trennung einzelner Muskeln von ihren Nachbarn

– Muskelfaszien verhindern die Reibung der Muskeln untereinander

– sie haben die Aufgabe, die Kräfte eines Muskels auf einen anderen zu übertragen

Inzwischen wird auch davon ausgegangen, dass die Faszien selbst sich zusammenziehen können um die Muskeln in ihrer Bewegung zu unterstützen.

Faszienverklebung

Im Idealfall sieht man die Faszien in Form eines Gitters. Diese wellenförmige Anordnung ermöglicht die besondere Elastizität dieser Bindegewebsschicht – dadurch werden die Faszien reißfest und gleichzeitig dehnbar.

Durch unterschiedliche Einflüsse können sich die einzelnen Faszien jedoch verhärten oder verdrehen. Bei dieser Problematik spricht man im Allgemeinen von verklebten Faszien.

Häufige Ursachen verklebter Faszien sind beispielsweise Verletzungen, ein fortgeschrittenes Alter Deines Hundes, eine Überbelastung oder ein Bewegungsmangel, aber auch Stress.
Infolgedessen kann die Bewegungsfreiheit Deines Hundes deutlich eingeschränkt sein und es können Schmerzen auftreten.

Faszientherapie beim Hund

Die Faszientherapie ist eine gesonderte Therapieform in der Osteopathie. Während sie in der Humanmedizin zunehmend populärer wird hat die Faszientherapie nun auch in die Tiermedizin Einzug gehalten.

Ein Osteopath kann die Faszien Deines Hundes leicht wieder in Form bringen. Im allgemeinen reagieren Hunde auf diese tiefgreifende manuelle Technik sehr gut und meist reicht bereits eine Sitzung der Faszienbehandlung aus, um erstaunliche Veränderungen bei Deinem Hund zu bewirken. Der Osteopath erkennt bei der Behandlung den Verlauf der Faszien schnell an der Fellrichtung Deines Hundes. im Idealfall kannst Du Dir die einzelnen Techniken auch von Deinem Osteopathen zeigen lassen, um ein paar einfache Handgriffe und Streichbewegungen auch täglich zu Hause auszuführen. Wichtig bei einer Faszientherapie ist eine entspannte Atmosphäre für Deinen Hund, da er sich während der Massage lockern soll.

Fazit

Osteopathie an Hunden bietet nicht nur in Akutsituationen Deinem Liebling eine gute Behandlungsmethode. Auch Vorbeugend und unterstützend ist Osteopathie eine großartige Behandlungsmöglichkeit. Sicherlich gibt es auch bei Dir in der Nähe einen Osteopathen für Hunde. Meist bieten dies auch Tierphysiotherapeuten an.

Bei uns findest Du auch tolle Hundebetten, die Deinen Liebling orthopädisch unterstützen.

 

Schreibe einen Kommentar